HD - Familie steht auf dem Spiel ?

Chorea Huntington, eine Nervenkrankheit (auch schon mal Corea Huntington). Für Betroffene und Angehörige

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pumproom
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HD - Familie steht auf dem Spiel ?

Beitrag: #30053 pumproom
24.02.2013, 11:53

Hallo miteinander,

meiner Frau wurde durch einen Test im Frühjahr 2012 bestätigt, Mutationsträgerin zu sein. HD war bis dato nie ein Thema, denn innerhalb der Familienanamnese ist nichts bekannt und auch niemand sichtlich daran erkrankt.

Fakt ist, dass die heiße Phase, nachdem uns die Diagnose serviert wurde wie ein Wiener Schnitzel mit allem drum und dran (depressive Phasen bis hin zu suizidalen Gedanken) erstmal passe ist.

Meine Frau hat sich Ihren Alltag entsprechend struckturiert und durch Jogging, Grüne Tee- Kapseln und anfängliche Antideppressivaeinnahme ist sie soweit stabil, dass sich die Symptome sogar gebessert haben. Ich hole jetzt dazu nicht weiter aus.

Aber Sie teilt mir mit, dass sie mit dem Gadanken spielt, nein es steht für sie fest dass Haus zu verkaufen.
A) weil sie auf dem Dorf schneller abhängig wird und sich nicht selber bewegen kann. (Hier muss man ein Auto haben, das ist leider so)
B) zum Schutz der Kinder, damit die durch Gerede im Dorf nicht in Ihrer Entwicklung gestört werden. (Unsere Kinder wissen nichts von der Diagnose) In der stadt ist ja vieles anonymer.

Des Weiteren stellt sie unsere Beziehung in Frage, weil sie sich um 180 Grad gedreht hat, ich mich aber nicht mit ihr drehe. Heißt ich mache nichts anders als zuvor. Vielmehr regt sie sich nur noch wegen mir auf, weil ich z.B. Die Schneeschüppe und den Besen vor dem Haus stehen lasse, anstatt es in den Keller zu räumen. Also ich bin derzeit ihr Stressfaktor.

Auf Deutsch heißt das, wenn ich mich nicht ändere und nach ihren Regeln spiele, kann sie auch allein weiter machen. Schwer das näher zu erklären, aber ich kann das grad nicht besser rüberbringen. Es ist halt so gewesen, dass wir versucht haben einen normalen Alltag wieder herzustellen. Zum Schutz der Kinder. Das hat auch geklappt und wir haben die Struckturen so gelegt, dass Sie unter der Woche den Haushalt und die Kinder macht und ich den Einkauf, Müll, Holz und das abendliche Vorkochen. Aber das wird grad zum Problem und ich weiß nicht warum?
Sachen die schon immer so waren sind plötzlich nicht mehr richtig.

Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen oder kann mir jemand sagen, ob das eine Phase ist, sich mit der Erkrankung auseinander zu setzen? Ich bin da grad echt ratlos.

Herzliche Grüße
pumproom

Udo
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Beitrag: #30056 Udo
24.02.2013, 12:34

Hallo pumproom

Das Verhalten deiner Frau hängt mit der CH zusammen. Es ist so, das die Fähigkeit, schwierige Situationen zu meistern, nachlassen. Auch im noch äußerlich recht gesundem Zustand. Dies kann recht stressig werden, da man seinen Lebenspartner auch kaum umstimmen kann, in seinen Gedanken. Auch ist oft der Partner der nächste , an dem diese ganzen Dinge ausgelassen werden. Widerspruch ist oft zwecklos. Wichtig wäre es, Deiner Frau einen klaren, und einfachen Weg zu zeigen, was zu tun ist. Ihr z.B. zu vermitteln, das es egal ist, was die Nachbarn etc. denken. Auch wäre eine dritte, neutrale Person ganz hilfreich im Umgang mit Deiner Frau. Oft wird eher auf einen Außenstehenden gehört als auf den Partner. Es gibt hier einen Angehörigen im Forum, "Wergi", der kann ein Lied davon singen.
Ich glaube, das es in der Stadt gar nicht so gut wäre, da dort auch die Gefahr von übersehenen Ampeln, Autos langfristig auftreten wird. Auch das Auto selber fahren geht nicht unbegrenzt gut.

Soweit im Moment zu Deinem schwierigem Problem. Eine positivere Antwort kann ich leider auch nicht geben. Du solltest auch daran denken, für Dich Hilfe zu organisieren, denn allein wird die Situation unheimlich schwierig.

Gruß, Udo
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pumproom
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Beitrag: #30063 pumproom
24.02.2013, 13:40

Danke Udo für die erste Einschätzung.
Meine Frau war schon immer geradeaus und von ihren Ideen überzeugt.
Mich irritiert bloß grad, dass sie so konsequent daran arbeitet, alles aus dem Weg zu räumen, was sie stresst und damit nicht gut ist. Unter dem Hintergrund ist es nicht einfacher aber für mich besser zu verstehen.
Ich brauche wohl noch jede Menge Input.

Udo
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Beitrag: #30064 Udo
24.02.2013, 18:16

Auf eine Art versucht deine Frau ja, Stress abzubauen. Nur wohl etwas übertrieben.
Was ich noch zu den Nachbarn sagen möchte. Als ich meine betroffene Freundin öfter zu Besuch bei mir hatte, haben sich die Nachbarn auch etwas gewundert, was mit ihr los ist. Ich habe denen das ganz klar gesagt. Und im Prinzip waren sie nicht abweisend, eher neugierig, was das für eine Krankheit ist, und wieso meine Freundin immer leicht schwankend mit mir herumlief. Einmal ist sie auch gestürzt, da kam direkt eine Nachbarin angelaufen. Das war schon ok so. Ich habe quasy eine Vorwärtsverteidigung gemacht, anstatt um drei Ecken zu reden. Bringt auch nicht viel.

Wenn Deine Frau schon immer geradlinig gehandelt hat, wird sich dies wahrscheinlich noch verstärken.
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pumproom
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Beitrag: #30067 pumproom
24.02.2013, 18:39

Und nochmals Hallo.
Ich habe eben die Antwort von Udo bloß kurz überfliegen und beantworten können.

Tja, das ist in der Tat ein sehr schwieriges Thema für mich. Meine Frau hat sich schon mehrere Wochen mit dem Verkauf des Hauses beschäftig und für sich das für und wieder abgewogen. Von daher ist es für mich schwer, in der kürze der Zeit (1 Woche) sachlich mit dem Thema umzugehen. Ist schon schwer die Emotionen da im Zaum zu halten.

Den Rat, einen neutrale Person hinzuzuziehen finde ich gut. Aber woher nehmen. Denn wenn meine Frau mir Ihre konkreten Pläne erst nach reiflicher Überlegung offenbart, wird sie es meiner Meinung nach nicht irgendwem Fremden erzählen oder sich mit jemand Drittem auseinandersetzen. Das einzigste Mal seit der Diagnose hätte sie sich von einem Psychologen helfen lassen wollen, als Ihre Gedanken bloß durch düstere Überlegungen über Sinn und Krankheit und Suizid kreisten. Selbst da wollte Sie nicht in eine Landesklinik, aus Angst, sie wäre dort festgehalten worden. Überhaupt mag Sie keine Hilfe annehmen, was Sie mir auch heute nochmals klar erzählt hat. So hat sie Kontakt zu anderen Betroffenen oder Selbsthilfegruppen sehr früh kategorisch abgelehnt.

Die nächste Frage ist dann, wo kann ich mir Hilfe holen, wenn ich diese benötige? Zum Anfang dieser sch... Zeit hatte ich regen Kontakt und eine echte Hilfe, zu bzw. durch eine Freundin, was jedoch zur Zeit nur via FB oder Mail sporadisch möglich ist. Aber in schweren Situationen zu schreiben finde ich oft nicht ausreichend. Das muss man jemand Vertrauten zum quatschen haben, und sei es am Telefon.

Aber hier in der Umgebung jemanden zu finden ist schwer. Das Problem ist hier, dass wir unsere Kinder mit der Last, die wir tragen derzeit nicht belasten wollen und können. Und die Problematik mit "Freunden" ist ja bereits mehrfach hier im Forum beschrieben worden. Man erkennt erst, wenn es soweit ist, wer zu einem steht und wer nicht. Naja und wenn ich hier im Dorf jemanden zu Rate ziehe, wer weiß auf welchem Weg das nicht doch die Runde macht. Man stelle sich vor die Kinder bekommen mit, dass da HD im Raum steht und googlen danach. Nein, das muss nicht sein sie sind einfach zu jung.

Zu guter letzt dann noch die Situation, dass meine Frau für sich schon alles geplant und beschlossen hat. Bis jetzt. Denn so hat sie mir heute erzählt, will sie so lange wie möglch ohne fremde Hilfe auskommen. Jedoch nicht hier im aktuellen Wohnort. Körperliche Einschränkungen sind für Sie hinnehmbar, doch wenn der geistige Verfall einsetzt, will sie in die Schweiz. Thema Freitodbeihilfe!

Das muss ich erst mal verdauen und überlegen.
Bis dahin nochmals vielen Dank für die Rückmeldung.

pumproom
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Beitrag: #30068 pumproom
24.02.2013, 18:45

Udo hat geschrieben:Was ich noch zu den Nachbarn sagen möchte. Als ich meine betroffene Freundin öfter zu Besuch bei mir hatte, haben sich die Nachbarn auch etwas gewundert, was mit ihr los ist. Ich habe denen das ganz klar gesagt.

Udo, wir haben drei Kinder. Die haben erst im lezten Jahr den Tod ihres Opas verkraften müssen. Ich habe gesehen, wie Sie reagiert haben. Zum etwa selben Zeitpunkt haben wir die Diagnose meiner Frau erhalten. Solch eine Botschaft können und wollen wir denen noch nicht zumuten. Und wenn das im Dorf umgeht, habe ich persönlich noch Angst, dass die Kinder gemieden werden wie Leprakranke, denn Kinder können unheimlich gemein sein.

Grüße
pumproom

Udo
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Beitrag: #30069 Udo
24.02.2013, 21:55

pumproom hat geschrieben:Udo, wir haben drei Kinder. Die haben erst im lezten Jahr den Tod ihres Opas verkraften müssen. Ich habe gesehen, wie Sie reagiert haben. Zum etwa selben Zeitpunkt haben wir die Diagnose meiner Frau erhalten. Solch eine Botschaft können und wollen wir denen noch nicht zumuten. Und wenn das im Dorf umgeht, habe ich persönlich noch Angst, dass die Kinder gemieden werden wie Leprakranke, denn Kinder können unheimlich gemein sein.

Grüße
pumproom


Ja, das ist verständlich. Ich sehe schon, da kommt auch alles auf einmal.
Ich denke, das man eine wie auch immer geartete Lösung finden kann, aber es braucht Zeit. Schritt für Schritt.

Gruß, Udo
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pumproom
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Beitrag: #30071 pumproom
25.02.2013, 11:01

Hallo zusammen,

Udo ich weiß das mit der Zeit auch Lösungen zu finden sind. Doch haben wir durch das schweigen über die Krankheit wahrscheinlich schon was kaputt gemacht. Ich habe so gut es ging verdrängt und das rächt sich nun.

Ich brauche unbedingt Rat und ausreichend Infos, damit ich mich endlich damit befassen kann. Wenn ich nichts über die Krankheit weiß, handel ich evtl. falsch weil ich nicht verstehe.

Grüße
pumproom

Udo
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Beitrag: #30075 Udo
25.02.2013, 16:22

Ich versuche einmal, einige Antworten zu geben.

In einem Landeskrankenhaus wird man nicht mit Gewalt festgehalten. Außer, man wäre akut selbstmordgefährdet. Aber dies ist wohl im Moment nicht der Fall bei Deiner Frau. Ich persönlich halte davon zwar nicht so viel, falls die Ärzte sich dort nicht mit der CH auskennen, aber für einen ev. Notfall ist es immer gut, eine Klinik in der Nähe zu haben.

Es gibt noch eine andere ganz gute Adresse in Heiligenhafen an der Ostsee. Dort gibt es eine spezielle Huntingtonstation, wo Betroffene für ein paar Wochen bleiben können, und dort auch Beraten werden, was und wie sie etwas machen können. Was auch schon helfen könnte, wäre ein Telefonat mit den dort behandelnden Ärzten und Sozialarbeitern etc.
Ich würde dies einmal versuchen.

Hattest Du schon hier nachgeschaut? http://www.patient-zu-patient.de/forum/ftopic2181.html

Mehr als 2 Tips habe ich momentan doch nicht. Es gibt noch mehr Möglichkeiten, aber ich denke, das Dir viele Sorgen durch den Kopf schwirren , was im Moment geschehen soll, und Du einen Ansprechpartner brauchst.

Gibt es bei euch eine Sozialpsychiatrische Beratungsstelle beim Gesundheitsamt? Dort könnnte man sich auch Hilfe holen.

Ich habe noch eine Ansprechadresse. Und zwar Herrn Brosig von der Huntingtonstation in Itzehoe. Die Telefonnummer ist : 0172/4496391 oder 04821/6049796

Soweit erst mal dazu

Gruß, Udo
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pumproom
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Beitrag: #30077 pumproom
25.02.2013, 17:03

Erstmal vielen dank für die Mühe.

Das mit dem Landeskrankehaus weiß ich. Ich habe mal im früheren Leben eine Ausbildung zum Krankepfleger absolviert und auch mehrere Jahre in dem Beruf gearbeitet. Aber die Angst unterstützt von Misstrauen mir gegenüber war einfach größer. Was ich auch verstanden habe.

Den Tipp mit Heiligehafen werde ich mal aufnehmen und versuchen ihr das näher zu bringen. Nicht dass sie dort hinfährt, aber vielleicht könnte der Arzt ihres Vertrauens ihr den Rat geben sich mit denen mal in Verbindung zu setzen. Meine Frau will demnächst nochmals nach Münster, um mit den Ärzten zu sprechen und das zweite Testergebnis zu erfragen.

Ich war auch schon anderweitig tätig und habe über Münster zwei Telefonnummern von Angehörigen ganz in meiner Nähe bekommen. Die pflegen oder haben ihre Frau gepflegt. Dennoch werde ich mir die Nummern von Kalle mal notieren.

Wie gesagt vielen Dank.
Grüße, pumproom

Udo
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Beitrag: #30078 Udo
25.02.2013, 18:03

Das Du eine Ausbildung als Krankenpfleger gemacht hast, ist gut, da es dadurch leichter ist, die Krankheit zu verstehen. Auch gut, das Du Kontakt zu den Angehörigen aufnehemen willst. Weil, es ist immer von Vorteil, Eigeninitiative zu ergreifen, als nur dazusitzen, und sich langsam von der Krankheit überrollen zu lassen.
Wenn Du möchtest, kannst Du ein (etwas älteres) Video von mir und meiner Freundin sehen. Unten auf www klicken.

Wenn Du weitere Fragen hast zu der Ch, dann frage ruhig.

Gruß, Udo
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wergi
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Beitrag: #30079 wergi
25.02.2013, 19:22

Hallo pumproom,

ich bin der wergi, den Udo oben angesprochen hat.
Ich bin auch Ehemann einer an CH erkrankten Frau.

Alles das was Du zur Zeit durchmachst, habe ich auch erlebt.

Viel sagen kann ich im Moment nicht, außer das Ihr vielleicht zu Dr. Lange in Dinslaken (020644137688; 01712411288) kontakt aufnehmt.
Den Kalle in Itzehoe kann ich auch sehr empfehlen, er hat immer ein offenes Wort für dich!!

Wir sind damals, als die Krankheit anfing meine Frau zu verändern, sehr offensiv damit umgegangen.
Denn wenn man daraus ein Geheimniss raus macht, macht Ihr Euch das leben selber noch viel schwerer.
Auch den Kindern gegenüber würde ich die Wahrheit sagen, denn dann können sie verstehen, auch Du, warum sich die Mama und Frau verändert.
Und sie verändert sich!!

Wo kommt Ihr denn her?
Ich wohne z.B. in Oberhausen und bin unter 0208 4687169 und 01773423358 zu erreichen.

Habt Ihr evtl. schon einen Schwerbehindertenausweis und die Rente beantragt?
Bei Fragen, ich arbeite bei der Rentenversicherung.

So für den Moment habe ich fertig.

pumproom
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Beitrag: #30081 pumproom
26.02.2013, 08:16

Hallo Wergi,
Wir haben schon Kontakt nach Münster. Da bin ich froh, dass meine Frau freiwillig dort hin will. Schwerbehindertenausweis und Rente? Das überfährt mich jetzt ein wenig.
Aber ich weiß damit umzugehen und werde mich diesbezüglich mal informieren. Aber da meine Frau arbeiten will und dies auch macht, steht das für Sie momentan überhaupt nicht zur Debatte. Da muss ich sie noch nicht mals fragen.
Ich weiß es noch nicht einzuschätzen, aber dis dato ist sie fit und keine großen Einschränkungen. Lediglich anfängliche Symptome. Was im Kopf passiert, weiß ich wie gesagt noch nicht.

Ich werde mal die Zeit nutzen, um dich anzurufen. Wann passt es am besten?

Grüße
pumproom

pumproom
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Beitrag: #30084 pumproom
26.02.2013, 22:27

Wir hatten soeben wieder eine Diskussion bzgl. Ihrem Cut. Einem neuen Anfang in einer neune Wohngegend. Nicht hier im Dorf, da die Bewohner sich das Maul zerreißen und und und. Und ich habe durch meine gegenteilige Meinung das erreicht, was ich vermutet habe, nämlich, dass sie sich hochschaukelt und mir vorhält, dass ich nicht in ihren Schuhen stecke und nicht beurteilen kann, welche Beweggründe sie hat. Nein, das kann ich nicht.

Sie will es auch gar nicht annehmen, das ich dagegen argumentiere und es bezweifel, dass ein Umzug und der Verkauf des Hauses für die Kinder förderlich ist. Selbst als ich sage, dass sie nicht Hilfe in Anspruch nehmen will (was ich verstehe weil das schon immer so war) aber ich wahrscheinlich irgendwann mal auf Hilfe angewiesen bin, die wir hier eher durch die nahen Verwanden und wahren Freund erwarten können als woanders, geht sie nicht auf mich ein sondern sticht mit Ihren Worten auf mich ein.

Sie sei fit. Ihre zunehmende Unruhe liegt ja nur daran, dass sie seit drei Wochen nicht mehr joggen kann. Es liegt ja Schnee. Außerdem will sie weiter Arbeiten und volle Tage, wobei ich morgens später zur Arbeit kommen soll, um erst die Kinder in die Schule und in den Kindergarten zu machen. Ja klar...

Was mir zudem noch aufgefallen ist, dass meine Frau mir in einem Gespräch öfters mal vorhält ich sei sauer oder eingeschnappt. Das obwohl dem nicht so ist. Ich führe das auf eine gestörte Wahrnehmung des Gegenüber zurück. Die Mimik falsch deuten oder nicht mehr einschätzen können. Ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall sind das Probleme, die ich so noch nie hatte. Ja ich weiß, klingt doof.
Soll ich Ihr die Pistole auf die Brust setzen? Ihr sagen, dass das Haus nicht verkauft wird und sie gerne ausziehen kann? Die versucht das dann durchzuziehen. Dafür kenne ich meine Frau. Mit dem Kopf durch die Wand, wenn es sein muss. Nicht, dass ihre Eltern da nicht auch noch gehörig mitreden würden. Aber ich glaube sie fühlt sich fit und ihre Überlegungen ganz normal. Wenn ich sie dann beschneide oder gar bevormunde flippt sie wahrscheinlich aus.

Nachdenkliche Grüße
pumproom

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Bärbel
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Beitrag: #30085 Bärbel
27.02.2013, 14:38

Hallo pumproom

ich lese hier schon die ganze Zeit nur still mit, da ich selbst erst in diesem Forum hier von dieser Krankheit erfahren und mich in dem komplexen und weitgefächerten Thema durchgelesen habe.

Weiß jedoch, dass Du hier sehr gut "aufgehoben" bist, da wir ja hier etliche Mitglieder haben, die wie Du Familienmitglieder, oder sogar selbst Betroffene sind.

Wie ich an Hand der Uhrzeit Deines letzten Beitrages ersehen konnte, raubt Dir diese momentane Lebenssituation ja schon bereits den Schlaf.

Was ich aber sehr gut finde ist die Tatsache, dass Du mit Deinen Ängsten, Nöten und Fragen hier her kommst und sie Dir von der Seele schreibst.

Wergi hat Dir ja schon seine Hilfe angeboten und Udo hier schon vielfach in Wort und Schrift.
Dafür möchte ich mich von Herzen bei Euch Beiden bedanken.

Nun zum Inhalt Deines letzten Beitrages, über den ich mich mit Dir gerne unterhalten möchte.

Pumproom, ich verstehe nicht, dass Ihr so Angst davor habt, es Euren Dorfmitbewohnern mitzuteilen, welche Krankheit Deine Frau heimgesucht hat und was evtl. noch Alles damit an Veränderungen verbunden ist.

Manchmal sind Dorfbewohner auch eine Hilfe und sie zeigen auch Verständnis und Mitleid und bieten in vielen Fällen auch Hilfe an.

Mich selbst hat privat ein sehr schweres Schicksal heimgesucht und alle im Dorf wußten sofort Bescheid und standen mir und meiner Familie zur Seite. Es gab keine Ausgrenzung oder negatives Gerede, im Gegenteil, Trost, Zuspruch, viele Gespräche, Unterstützung und Hilfestellungen.

Stell Dir mal vor, wenn Ihr das Haus verkauft, eine andere Whg. in einer anderer Stadt beziehen müßt, die Kinder aus der gewohnten Umgebung reißt und aus ihren Freundeskreisen, was da alles auf Euch zusätzlich zukommt.
Bis jetzt habt Ihr mit den Kindern noch nicht gesprochen, wie sollen sie dann quasi von Heute auf Morgen verstehen, dass auch ihr Leben sich drastisch ändern muß?

Ich meine, das kann sich nicht positiv auf die Gesundheit Deiner Frau und die Entwicklung Deiner Familie auswirken, das wird tiefe Spuren hinterlassen, die leider manchmal nicht mehr zu kitten sind.

Wer ist dann da, wenn es Deiner Frau nicht mehr gut geht, wenn für Euch, siehe - wergi - und Udo - eine menschlich-nervliche Belastung wird, weil Ihr mit ihrer Denkweise und ihrem Handeln einfach nicht mehr klar kommt?
Wer bleibt dann dabei auf der Strecke?
Du und worüber ich sehr viel nachdenke, die Kinder, denn ich gehe mal davon aus, dass Deine Frau das dann garnicht mehr einordnen kann, weil sie in ihrer Welt lebt.
Du trägst für diese Familie die Verantwortung und die lastet nun schwer auf Deinen Schultern.

Was die Zukunft bringt und wie es weitergeht, wissen wir nicht, aber es liegt in Deinen Händen und Gedanken abzuwägen, was für Deine Frau, für Dich und die Kinder, die Sicherheit und Geborgenheit brauchen, der gute Weg ist, um Euer gemeinsames Leben, in der gewohnten Umgebung und im jetzigen zu Hause, zu erhalten und zu bewahren.

Wünsche Dir viel Kraft.

LG Bärbel

P.S.:
Da Deine Frau der Meinung ist, sie wäre noch fit, ihr würde nur das joggen fehlen und sie noch ihren Fulltimejob ausübt, jedoch von Dir verlangt, Du sollst Dich um die Kinder kümmern und dafür lieber zu spät ins Geschäft kommen,
würde ich sie mal fragen, wenn sie wieder droht auszuziehen, ob sie alleine geht oder auch die Kinder mitnimmt und dann lasse Dir bitte ausrechnen, wie sie das finanzieren möchte und bei einem Ganztagsjob noch für die Kinder kocht und bei den Hausaufgaben dabei ist, sie in die Schule und Kindergarten bringen will usw.

Ich gehe davon aus, dass sie sich der Tragweite ihrer Drohungen und Aussagen gar nicht bewußt ist, denn wenn sie sie in die Tat umsetzen müßte, würde sie sehr bald an ihre Grenzen stoßen.
Aber wie wergi und Udo ja schon angemerkt haben, kann das sehr wohl mit ihrer schleichenden Krankheit zu tun haben.

Du schreibst auch, dass Dir Deine Frau manchmal vorwirft Du seist sauer oder eingeschnappt und Du bist der Meinung, dass dem nicht so ist.
Manchmal gibt es Menschen, die einem anderen unbegründete Vorwürfe machen, damit er über sein Verhalten nachdenkt, nur um somit über ihr eigenes Fehlverhalten abzulenken.
Wie Du siehst, hast Du Dich damit bereits auseinandergesetzt und Dich diesbez. hinterfragt............. so wie sie es wollte.
Weißt doch bestimmt auch, dass manche Menschen der Meinung sind, Angriff ist die beste Verteidigung......................

Darum kann ich Dir als Laie, nur auf Grund meines gesunden Menschenverstandes ans Herz legen,
nimm Du die Zügel in die Hand und hole Dir alle Hilfe bei Fachärzten und Menschen, sowie Behörden, die Du im vollen Unfang bekommen kannst.
Auch unsere Mitglieder hier, werden Dich begleiten und Dir mit schriftlichem Rat immer gerne zur Seite stehen, dessen bin ich mir gewiß.

Vielleicht holst Du auch ihre Eltern, Euere Freunde und Bekannten mit ins Boot, denn ganz alleine wirst Du das wohl nicht schaffen, da der normale Familienalltag ja auch noch gemeistert werden muß und der ist bekanntlich oft anstrengend, auch wenn niemand krank ist.
Ein freundliches Wort kostet nichts und ist doch das schönste aller Geschenke.
(Daphne Du Maurier)


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