Mein Vater!

Chorea Huntington, eine Nervenkrankheit (auch schon mal Corea Huntington). Für Betroffene und Angehörige

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Brina
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Mein Vater!

Beitrag: #14361 Brina
02.06.2007, 20:34

Hallo Ihr!
Ich hatte schon mal geschrieben das bei meinem Vater der Verdacht besteht das er die CH hat. Durch den Test hat sich der Verdacht dann leider auch bestätigt. Seit wir das Testergebnis bekommen haben, anfang Februar, kommt es uns so vor als ob es plötzlich rasend schnell voran geht. Momentan hat er das , das er ständig Stimmen hört. Er denkt auch viel nach über seine Kindheit , die wohl auch nicht ganz einfach war. Aber wir - also meine Mum und ich- haben oft das Gefühl das er nicht so ganz die Warheit sagt. Aber das lassen wir ihn natürlich nicht spüren. Ich bin mit meinem Mann extra wegen der Krankheit bei meinen Eltern wieder eingezogen um sie finanziell und meine Mum psychisch zu unterstützen. Jetzt muss meine Mum wieder ins Krankenhaus ihren Bandscheibenvorfall operieren lassen. Deswegen war sie vor kurzen schon mal drin für ein paar tage. Da ist er voll abgedreht. Und das meine ich nicht böse. Sondern auf eine hilflos verzweifelte Art. So kam ich mir jedenfalls an dem abend vor. Er hat sich die "Kante" mit Cola Korn halb halb , 3große Becher auf ex gegeben. Dabei gelacht , geweint und komische Laute von sich gegeben. An sowas muss man sich erstmal gewöhnen. Ich habe jetzt schon Angst vor der zeit wo meine Mum wieder weg ist. Und Ihm merkt man das auch schon an das es Ihm bei dem Gedanken nicht gut geht.
Kann mir vielleicht jemand sagen ob es gegen die "Stimmen" irgendwas gibt? Irgendwie muss man Ihm da doch helfen können wenn er sich dann helfen lässt.
Ich bin immer noch ziemlich aufgewühlt , deswegen sorry wenn das alles so durcheinander ist.
Liebe Grüße Brina

Justine
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Beitrag: #14374 Justine
04.06.2007, 10:33

Liebe Brina,
Das sich der Verdacht nun bei deinem Dad durch einen Test bestätigt hat, tut mir leid für Euch.
Finde es toll von Dir und deinem Mann, dass ihr wieder zu deinen Eltern gezogen seid um zu helfen. Wenn ich auch denke, dass Du mit ein klein wenig mehr räumlichen Abstand vielleicht mit der Zeit besser helfen könntest und jetzt natürlich sozusagen hautnah alles miterlebst.

Zu deiner Frage, ob man was gegen die Stimmen machen kann:
Wichtig wäre jetzt in allererster Linie, ob dein Dad in ärztlicher Betreuung ist.
Hat er einen Arzt, zu dem er Vertrauen hat?
Es gibt für Stimmungsschwankungen und evtl.Depressionen keine Hausmittel, die er einnimmt und dann ist es besser.
Ich denke ein guter verständnissvoller Neurologe kann hier deinem Dad mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Solange er sich nicht von sich aus helfen lassen will, oder gerade in so einer Situation, wenn dann noch Alkohol mit im Spiel ist, kannst Du ihm nicht helfen und Du wirst ihn auch zu nichts zwingen können.
Das ist einer der schwersten Aufgaben, die man als Angehöriger plötzlich hat. Oft einfach nur zuschauen und nichts ändern zu können.

Was habt ihr denn seit der Diagnose alles so in Angriff genommen?
Logopädie, Krankengymnastik, Physiotherapie, irgendwelche Medikamenteneinstellungen, Schwerbehindertenausweis,...?

Wie hat dein Vater reagiert auf das Testergebnis?
Wie geht es Dir damit?

LG Justine

Brina
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Beitrag: #14379 Brina
04.06.2007, 13:07

Hallo Justine!
Das mit dem einfach nur zu schauen und nix tun können ist glaub ich das schlimmste an dieser ganzen Situation. Das macht mich echt fertig. Meine Mutter bekommt was für Ihre Nerven. Die baut sich da ein dickeres Fell auf.
Gemacht worden ist bis jetzt nichts. Er lässt ja nichts mit sich machen. Er will nicht mal was gegen die Stimmen haben.Eben haben wir meine Mum in Krankenhaus gebracht , da hatte er mir erzählt das er von unser Nachbarin ferngesteuert wird. Er nennt sie Anette. Kennt sie aber eigendlich gar nicht. Die beobachtet ihn wo er gerade ist und sagt ihm was er machen soll. Es macht mir schon ein bisschen Angst. Heute ist er auch nicht so ganz klar im Kopf. Ich denke das ist weil meine Mum nicht da ist. Er will das nicht so recht warhaben das er die Krankheit hat. Für ihn ist alles wie immer. Deswegen will er auch keine Tabletten nehmen.
Ich fühle mich ganz ehrlich gerade jetzt in dieser Situation ein bischen überfordert. Meine beiden anderen Schwestern haben immer noch die möglichkeit sich zu hause zurück zu ziehen. Ich bin dann "nur oben" und immer da. Aber ich schaffe es auch nicht meiner Mum zu sagen das ich eigendlich lieber nicht hier wohnen will. Sie hat ja schon gesagt das sie so froh ist das wir hier wohnen das ihr das so hilft. Ich hoffe nur das sie nicht allzu lange im Krankenhaus bleiben muss. Dann entspannt sich das ganze wieder etwas.
Ich weiss auch beim besten willen nicht wie ich meinen Vater dazu kriegen soll das er beim Arzt nicht immer sagt das es ihm blendend geht.
Liebe Grüße Sabrina

Justine
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Beitrag: #14380 Justine
04.06.2007, 14:08

Hallo Sabrina,
Geht dein Vater noch arbeiten, oder ist er jetzt zuhause. Immerhin ist jetzt über ein Jahr vergangen, seitdem Du Dich bei uns vorgestellt hast und ihr das auffällige Verhalten bemerkt habt an deinem Vater.

Wie ist denn eurer Hausarzt so? Ist es noch der vom letzten Jahr?
Habt ihr jetzt auch einen Neurologen?
Entschuldige, wenn Du eine meiner vielen Fragen nicht beantworten möchtest, dann sag bitte sofort Bescheid.

Die ganze Situation ist wirklich hart für Dich. Ich kann das ehrlich nachfühlen.
Ich wußte bis zum Schluß nicht, wie ich mit jeweiligen Situationen umgehen sollte, wenn mein Mann mal wieder auf eine seiner Wahnvorstellung beharrte.
Wann eine zu ignorieren war und wann ich genau darauf hören mußte, damit er nicht wütend wurde.
Mittlerweile mit dem Abstand unserer räumlichen Trennung ist das viel viel einfacher für mich geworden. Ich kann dann oftmals sogar darauf eingehen und fang an seine Stories weiterzuspinnen bis er irgendwann das Lachen anfängt und mir dann sagt, was für einen Blödsinn ich rede.
Dann lachen wir beide.
In unserem Zusammenleben habe ich aber zum Schluß auch keine Geduld und keinen Humor für diese "Spielchen "gehabt und war sehr schnell auf 180.

Grundsätzlich kannst Du leider gar nicht soviel tun, wie Du sicher Dir wünschen tust zu können.
Ich bin auch der Meinung, dass es nichts bringt, die "Stimmen" mit Hilfe von Medikamenten totzustellen, oft bewegt sich der Betroffene dann ja auch wie ein Zombie und das ist auch kein schönes Leben mehr.

Hast Du professionelle Ansprechpartner in deiner Nähe, die Du um Rat fragen kannst?

Wurde dein Vater vor und nach dem Test denn psychologisch betreut?

Das allerwichtigste finde ich in der Situation, dass Du von Anfang an Rückzugsmöglichkeiten hast und auch mal abschalten kannst.
Ihr als Paar auch an andere Dinge im Leben denken könnt außer die Erkrankung deines Dad's und die Angst, ob Du vielleicht betroffen sein könntest.
Ich befürchte nur leider, diese Möglichkeit ist jetzt dadurch, dass Du mit deinem Mann wieder bei deinen Eltern eingezogen bist so gut wie unmöglich.
Wie steht dein Mann zu der jetzigen Situation?
Ich wünsche Dir sehr, dass er Dir ganz viel Vertrauen und Halt geben kann.
Werde mich später nochmal bei Dir melden!

alles liebe erstmal
Justine

Brina
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Beitrag: #14385 Brina
04.06.2007, 16:54

Hallo Justine!
Das tut so gut sich mal mit jemanden auszutauschen der weiss wie es mit diesen Patienten ist. Andere Leute geben immer nur irgendwelche Tipps mit denen man nichts anfangen kann , weil sie im Grunde genommen keine Ahnung haben und es sich nicht vorstellen können wie das ist.
Also mein Vater ist seit mitte Januar krank geschrieben. Die können ihn nicht mehr einsetzen. Er soll jetzt in die Früh rente gehen.Unser Hausarzt denkt jetzt auch anders darüber. Papa muss ja mindestens einmal im Monat zu ihm hin um die Krankschreibung weiter zu erhalten. Da wird er gefragt wie es ihm geht und er sagt immer es ginge ihm gut. Und er lügt dem Arzt eigendlich was vor. Bei uns macht er einen tierischen Aufstand wenn wir sagen das er unbedingt zum Neurologen soll -auch damit das mit dem Rentenantrag weitergeht- und beim Doc sagt er "Kein Problem". Das mit den Wahnvorstellungen kenn ich. Und gestern hatte ich mit ihm eine Diskussion mit dem Thema rauchen aufgeben. Er möchte das Mama das Rauchen aufgibt. Er ist dann mit der aussage das sie dann ja nicht mehr so husten muss , mit Tränen in den Augen aufgestanden und weggegangen. Als ich später wieder runter kam war alles wieder in ordnung.
Ich finde das bewundernswert , das dein Mann von sich aus gesagt hat das er in ein Pflegeheim geht. Ich verstahe die Menschen nicht die sich in so einer Situation einfach abwenden. Und schon gar nicht wenn sie dem menschen so nahe stehen. Die schwester meines Vaters hat sich auch abgewendet. Obwohl meine Mum mit ihr zusammen arbeitet hat sie sich seit dem meine Mum krankgeschrieben ist nicht einmal bei ihr gemeldet. Das tut einfach nur weh.
Nein er hat keine psychologische Hilfe bekommen. Nur ein kurzes Vorgespräch und dann hat der Doc in Bremen ihm auch gleich Blut abgenommen und das wurde dann untersucht. Und nach 3 Wochen hatten wir das Ergebnis. Es gibt hir leider keine Psychologen die sich damit wirklich auskennen. Das nächste was wir aber jetzt auf den nächsten Monat verschoben haben wegen dem Krankenhausaufenthalt meiner Mutter ist eine Selbsthilfegruppe in Bremen. Da waren wir schon einmal vor über einem Jahr und ich habe das durchgesetzt das meine Schwester und meine Mum damit hin kommen.
Mein Mann hört sich das an wenn ich mich mal wieder auskotzen muss und bespricht das mit mir. Den hab ich zum Glück voll auf meiner Seite. Aber er geht ja auch viel arbeiten. Und als LKW Fahrer kommt es auch ft vor das er in der Woche nicht so oft nach haus kommt. Und da er schon so viel Streß auf der arbeit hat will ich ihn auch nicht immer mit dem von hir zu hause noch stressen. Ist alles nicht so einfach. Eigendlich möchteich auch gerne noch eigene Kinder haben. Ich frag mich aber ob das überhaupt so gut ist in der ganzen momentanen Situation. Und dann haben wir eigendlich auch gar kein Platz dafür. Wir sind von einer 100qm Wohnhälfte auf 45qm gezogen. Wir versuchen in diesem ätzenden altbau noch eine vernünftige Küche herzustellen. Und noch ein Badezimmer zu bauen. Was aber alles sehr langsam voran geht weil das Geld an allen Ecken und Kanten fehlt.Das macht einen auch nicht unbedingt glücklicher. Ich hoffe ich hab bald die Chance für ein paar Tage zu einer Freundin an die Holländische Grenze zu fahren um von allem ein bisschen abstand zu gewinnen.
Liebe Grüße Brina

danakatze
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Re: Mein Vater!

Beitrag: #14394 danakatze
05.06.2007, 11:49

Hallo Brina!


Herzlich Willkommen!

Viele Grüße danakatze

:wink:

Cathy
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Beitrag: #14401 Cathy
05.06.2007, 20:09

Hallo Brina,

schön Dich mal wieder zu lesen und eigentlich auch traurig die ganze Situation.

Ich bin im moment etwas unter Zeitdruck und habe nicht soviel zeit alles in Ruhe zu lesen, deshalb möchte ich mich dazu auch nicht weiter äussern, was mir nur spontan einfällt, kannst Du oder Deine Mutter nicht mal mit dem hausarzt sprechen?

Bin bald wieder öfter da.

Kopf hoch, wir sind für Dich da.

LG Cathy
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Justine
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Beitrag: #14409 Justine
06.06.2007, 13:15

Hallo Brina,
Es hat mich sehr aufgewühlt, was Du mir geschrieben hast. Ich kann vieles und vorallem deine Verzweiflung und Unsicherheit, die auf Dich zukommt und Dich erfasst sehr gut nachvollziehen.
Teils, hab ich dadurch, dass ich jetzt schon 5 Monate räumlich getrennt von meinem Mann lebe das Gefühl Abstand von all diesen Gefühlen bekommen zu haben.
Doch gerade in denen Momenten, in denen ich all diese Angst und Verzweiflung der letzten Jahren Revue passieren lasse, so wie in meinen Beiträgen an Dich z.B. kommt alles wieder hoch.

Diese Gefühle haben mich nie ganz verlassen. Sie werden es sicher nicht bis zum Schluß. Mit dem Unterschied, dass ich jetzt wenn ich mich von ihm verabschiede und nachhause fahre mehr Zeit für mich habe, die jeweiligen aktuellem Gefühle besser zu verarbeiten und ich mit dem Gefühl fahren kann, dass er gut versorgt ist.

Ich hab gerade in den letzten Monaten festgestellt, dass es das Wichtigste überhaupt ist, seine Gefühle ausdrücken zu können.
Jemand an seiner Seite zu haben, dem man auch mal anvertrauen kann, dass man sich überfordert fühlt, dass man auch mal Wut empfinden darf über vielerlei Dinge, dass man weinen soll, wenn einem danach ist.
Ich hab jahrelang versucht die Stärkste zu sein und hab mir jegliche Gefühlsregung in Richtung der Schwäche(ich hab es als Schwäche empfunden!) verboten.

Mach diesen Fehler, wenn es irgendwie geht nicht.

Versuch so oft es geht auszudrücken, wenn Du mal der Verzweiflung nah bist.Nicht weiter weißt oder einfach nicht weißt wohin mit all den Gefühlen, die sich gerade in deinem Magen ausbreiten und Dir die Kehle zuschnüren.
Hier ist auch ein guter Platz.
Mir hilft es immer sehr.

Eure Situation ist wirklich traurig und so wie ich jetzt rausgelesen habe, ist deine Mum nicht so gut in der Lage für deinen Dad zu sorgen.Doch Du bist in aller erster Linie "nur" Tochter, Du bist nicht das einzige Kind. Du hast einen Partner an deiner Seite, Du hast bzw. hattest etwas andere Pläne für eure gemeinsame Zukunft, als wieder bei deinen Eltern zu wohnen.

Ich kann Dir nur raten, dass es besser wäre, ehrlich mit deiner Familie zu besprechen, dass es vielleicht besser wäre nicht direkt bei deinen Eltern zu wohnen.
Du wirst irgendwann, vielleicht auch eher früher, als später feststellen, dass ein räumlicher Abstand Dir besser hilft mit Kraft und Energie für deine Eltern dazusein.

In Punkto Arzt "anlügen" .Das kenne ich.
Mein Mann war 6 Jahre bei seinem Neurologen und seinem Hausarzt (mußte er jetzt beides wechseln, durch den Wohnortwechsel). Und jeden einzelnen Monat der ganzen 6 Jahre, war mein Mann nicht ehrlich, was das mitteilen von Beschwerden, Verschlechterungen und Sympthomen anging.
Er ging hin, der Arzt warf einen Blick auf ihn, fragte wie es geht, mein Mann sagte gut und Tschüss.

Für meinen Mann war das okay. Wenn was zu berichten war, dann haben wir eben das Wort ergriffen und erzählt, was wieder schlechter geworden ist, wie die Situation wirklich ist. Mit unserem Hausarzt stand ich in einem relative engen, regelmäßigen Kontakt und hielt ihn sozusagen hinter dem Rücken über seinen Zustand auf dem laufenden.

Für meinen Mann sind alle Ärzte sowieso von Anfang an Feinde gewesen und zuhause hat er dann jedesmal die Wut über den jeweiligen Arzt bekommen. Sass er ihm jedoch gegenüber, war er der liebste Mensch zu den Ärzten.
Das hat sich im Moment sehr gelegt. Mit seiner alleinigen Entscheidung in einem Pflegeheim zu wohnen, hat er nicht nur seine Wut über Ärzte verloren, sondern auch seine Abneigungen vor zuviel Therapien.

Er hat zwar all die Jahre von Anfang an Logo und KG gehabt und mitgemacht, jedoch war ihm alles andere dann zuviel Spinnkram.
Jetzt dort in dem Heim, geht er auch zusätzlich zur Schwimmtherapie, zur Ergo-Physiotherapie und Mal-und Spieltherapie. Wenn es ihm mal zuviel wird sagt er auch klar wo seine Grenzen sind, so dass es immer seltener zu Stress-Situationen kommt in denen er dann seine Wut darüber ausdrücken muß.

Ich bin auch davon überzeugt, dass Ärzte, die sich für ihre Patienten wirklich interessieren und sich über CH ausreichend informieren und sich mit solchen oder vielleicht ähnlichen Krankheiten auskennen, genau wissen, dass sie vom Patienten selbst nicht viel erfahren können über die wahre Situation.
Jeder Hausarzt wird auch den einen oder anderen alten Menschen haben mit Demenz und wissen müssen, wie man mit ihm umgeht.

Es ist sicher nicht gut, dass ihr vor und nach dem Test keine Unterstützung hattet. Wir haben es jedoch auch nicht gehabt. Ich kann jetzt aber auch nicht beurteilen, ob es für uns besser gewesen wäre mit psychologischer Unterstützung.

Der Schritt zur Selbsthilfegruppe ist sicher ein guter Schritt.
Und so schwer es Euch fallen wird, lasst deinem Vater alle Zeit der Welt um für sich zu verarbeiten, was mit ihm passiert. Lasst ihn soweit es geht entscheiden, wann er Hilfe annehmen kann.
Alles andere wird die Hölle für alle Beteiligten, wird euch ebenso schaden, wie das zuschauen nur, wird mit dem erzwingen gleichzeitig vertrauen zerstört.
Ich denke, dieser Drang helfen zu müssen, handeln zu müssen, der verzweifelte Versuch die Krankheit aufhalten zu müssen, den Betroffenen alles nach und nach abnehmen zu müssen, ist ein für uns Angehörige typisch. Dadurch fühlen wir uns dann besser und nicht so verzweifelt und unnütz. Doch dieses Verhalten hilft in den meisten Fällen nur den Angehörigen und schadet den Betroffenen und das Vertrauen innerhalb der Familienbeziehung kann leiden.

Ich hätte auch nie gedacht, dass ich das so mal sehen würde. Aber viele Patienten haben mir diese Situationen schon so bestätigt und das sie so empfinden.

Sicher gibt es einige Situationen, die man mit dem Betroffenen einfach ausfechten muß, bis eine Lösung gefunden werden kann.
Sei es, wenn es um behördliche Dinge geht, wie Schwerbehindertenausweis, Rentenantrag,..denn hier geht es Geld und Existenssicherung. Das ist enorm wichtig, ja auch in eurem Fall.
Bei der ärztlichen, medikamentösen Behandlung würde ich persönlich mehr versuchen auf das betroffene Familienmitglied zu hören, wie er dazu steht bevor man den Kampf ausfechtet gegen seinen Willen.

Vielleicht kann man auch mal den einen oder anderen Therapeuten für Logo und KG fragen, wenn er bereit ist deinen Vater zu behandeln, ob er vorher zu einem Kennenlern-Gespräch zu euch nach hause kommt?

Also mein Mann hat sich zwar gewehrt, wenn wir allein waren, doch wenn sich jemand bei uns vorgestellt hat um ihn kennenzulernen, dann war es plötzlich okay.

Das gehört auch zu den Schwierigkeiten der Situation.
Hört genau hin, was möchte dein Vater wirklich auf gar keinen Fall und was wäre okay für ihn und was wäre dann für euch auf gar keinen Fall in Ordnung, aber was muß unbedingt erledigt werden auch vielleicht gegen den Willen.
Es ist eine schmale Gradwanderung, die ein harter Weg zu erlernen ist.

So Brina, hab leider wieder viel zuviel durcheinander geschrieben. Irgendwie berührt mich deine Situation sehr.
Hoffe das ein oder andere kann Dir eine Hilfe sein.
Freu mich wieder von Dir zu hören.

LG
Justine

Brina
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Beitrag: #14416 Brina
07.06.2007, 10:12

Hallo Ihr !
@ Cathy: schön das du dich trotz Zeitmangel gemeldet hast.
@ Justine: Du kannst dir gar nicht vorstellen was hier gerade los ist. Dienstag war ein verdammt stressiger Tag für uns alle. Meine Mum ist operiert worden und ich bin natürlich mit meinem Vater ins Krankenhaus. Wir mussten noch warten weil die OP länger dauerte. Und mein Vater kam dann auf die Idee zur Röntgenabteilung zu gehen und sich von denen sein "Mann im Ohr" weg machen zu lassen.(???) Das ginge ganz schnell mit nur einem kleinen Schnitt. Meinte er zu mir. Wiedersprechen nützt da nix, wenn der Mann im Ohr das sagt ist das so. Die haben Ihn natürlich echt blöd angekuckt und dann zur HNO Station geschickt. Da ist er dann auch hin gegangen und hat die Leute da gefragt ob die Ihm den Mann im Ohr wegmachen lassen können.Aber da war gerade kein Arzt da. Als meine Mum dann auf ihr Zimmer kam ist er gleich auf sie los und hat Ihr gesagt sie solle sich keine Sorgen machen er hätte die huntington nicht mehr , er wäre gesund und sie müsse jetzt auch gesund werden. Eins kam zum anderen. Es gab viel Streit mit Mama und mir, er hat uns angeblöckt und wir sind dann los gefahren.Zum Glück hatte Mama im Vorfeld schon mit Iherer Ärztin gesprochen und eine Schwester wusste auch bescheid was los ist. Ich bin dann zum Hausarzt gefahren der mir bestätigen sollte das er die Krankheit nicht hat. Das konnte der ja nicht und dann ist er auch mit rein gekommen um ihn zu fragen. Der Doc sagte mir das Papa eine Psychose hat mit Schizhophrenie und dringend behandelt werden muss. Aber er lässt sich nicht behandeln und gegen seinen Willen können wir nix machen. Papa sagte dann das wir am Donnerstag alle zu Mama ins Krankenhaus sollen weil dann ein Doc aus Bremen kommt und uns bestätigen soll das er gesund ist. Dann hiess das schon am Mittwoch. Er hat bei meinen Schwestern angerufen und da bescheid gesagt. Dann hat er mir gesagt das wir noch am gleichen abend ins Krankenhaus sollen weil der Doc da hin kommt. Also hat er die anderen auch ganz wild gemacht. Mit dem Ergebnis das dann alle versammelt angetreten sind und wir mit 7 Leuten ins Krankenhaus gefahren sind zu meiner Mum um 20Uhr. Die hatte zum Glück mit ihrem Vater alles soweit in die Wege geleitet das die bescheid wußten und dann auch bald die Ärztin kam. Die hat nen Psychologen besorgt und der hat mit uns und Papa gesprochen. Papa meinte das wäre jetzt genau der zeitpunkt um einiges mit mama zu besprechen. was wir aber nicht so fanden weil sie ja frisch operiert war und auch nicht gut sprechen konnte. Der Psychologe hat Papa angeboten ihn gleich stationär aufzunehmen und zu behandeln. Aber Papa wollte nicht weil er ja gesund ist.Wir haben ihn dann mit nach Hause genommen. Ich musste dann gestern zum Doc und dann zum Sozialpsychatrischen Dienst. Mit dem sollen wir jetzt erreichen das papa gegen seinen Willen eingewiesen wird und auf die Psychose (die nix mit der Huntington zu tun hat) behandelt wird. Aber das dauert noch mindestens 2 Wochen bis die einen Hausbesuch machen und noch länger bis das ein Richter entscheidet. Ich verstehe das nicht. Das ist doch jetzt aktuell. Und nicht erst in 3Wochen??! Ich bin nicht dafür das er entmündigt wird. Aber er muss behandelt werden. Und der Doc hat auch gesagt das wenn er auf Medikamente eingestellt ist er dann wieder etwas klarer im Kopf ist. Es ist schwer mit ihm auszu halten. Er benimmt sich wie ein kleines Kind. Meine Mutter kommt Samstag wieder nach Hause. Sie darf ihren Kopf nicht bewegen und hat eine Halskrause. Und sie darf NIX machen. Und Papa ist ziemlich grob in moment. Zum Glück bekomme ich von meiner kleinen Schwester die nötige Unterstützung. Was man von der großen nicht sagen kann. Da hab ich gehört das sie gesagt hat deswegen bin ich ja hier eingezogen. Damit sie sich aus der Verantwortung raushalten kann. Ich hoffe das mein Mann und ich tatsächlich am 16.6. die Chance haben für das Wochenende zu seinen Großeltern nach Kiel zu fahren. Dann können wir wenigstens einen kurzen Augenblick abschalten. N Bischen Seeluft geniessen.
So mein Vater will jetzt den Strom abstellen , weil er den Badezimmer Lichtschalter reparieren will. Ich hoffe er kriegt das hin. Freue mich wieder was von dir zu hören.
Liebe Grüße Brina

Cathy
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Beitrag: #14419 Cathy
07.06.2007, 21:11

Hallo Brina,

ich habe jetzt etwas mehr zeit, heute ist Feiertag bei uns, die Kleine schläft und ich habe mich etwas bei Dir "eingelesen".

Was Du da zuhause gerade durchmachst ist wirklich sehr schlimm. Was ich ebenfalls nicht verstehen kann das es noch 3 Wochen dauert bis sich mal jemand bemüht und Deinem Vater einen Hausbesuch abstattet, das ist mir auch ein Rätsel, kann man das nicht beschleunigen? Ich hoffe Du fährst wirklich am 16.06 nach Kiel und kannst da wieder neu Kraft tanken, ich denke bis dahin wird Dein Vater auch in guter Behandlung sein, so das Du beruhigt fahren kannst.

Ich denke an Dich, drücke Dir die Daumen daß ihr die Zeit gut übersteht.

LG Cathy
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Udo
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Beitrag: #14420 Udo
07.06.2007, 23:10

Hallo Brina,
ich habe mir eben etwas Deinen Bericht durchgelesen, und mal etwas salop gesagt, da ist einiges los bei Euch mit deinem Vater. Ich glaube, das der sozialpsychatrische Dienst einiges machen kann und auch machen sollte. Auch wenn es noch 3 Wochen dauert, bis ein Arzt etc. kommt, verliere die Kraft nicht und erhole Dich in Kiel.

Es könnte sein, das Dein Vater eine richterlich angeordnete Betreuung bekommt, es muss aber nicht so sein. Auch könnte einer von der Familie eine Betreuung übernehmen. Aber keine Panik , warte erst mal ab, was der sozialpsychatrische Dienst sagt. Medikamente können schon manchmal wahre Wunder bewirken.
Schizophrene Effekte bzw. Psyschosen kommen ab und zu in Verbindung mit Huntington zustande. Aber im Prinzip egal wodurch, wenn eine Psyschose da ist, ist sie eben da, und kann auch wie gesagt meistens gut behandelt werden.

Gruß
Udo
Abends geht die Sonne unter, morgens geht sie wieder auf !

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Beitrag: #14424 Brina
08.06.2007, 13:22

Hallo!
Also es hätte mich auch gewundert wenn die Psychose nichts mit der Huntington zu tun hat. Also das es gar nichts damit zu tun hat , wie der Doc sagte , konnte ich mir nun auch nicht vorstellen.
Ich werde nun heute nachmittag meine Mum aus dem Krankenhaus holen und wir kucken mal wie es am Wochenende mit meinem Vater geht. Momentan ist er eigendlich ganz umgänglich, wie ein kleines Kind eben. Damit kann mans aushalten. Solange er nicht auf den Dreh kommt und wieder Blödsinn machen will wie Auto fahren oder sowas. Ich denke für meine Mum ist es nervlich noch schlimmerweil es Ihr Mann ist. Ihr geht das sehr an die Nieren. Sie hat von ihrer Ärztin gesagt bekommen das man sich auch direkt an einen Richter wenden kann und Ihn innerhalb von 2 Tagen einweisen lassen kann. Also wenn zu hart kommt bleibt uns nichts anderes übrig. Aber ich habe kein schlechtes Gewissen dabei. Im gegenteil. Ich hab ich trotzdem lieb und will für ihn nur das beste. Und was das ist kann er eben momentan nicht selber einschätzen. Also muß das jemand anderes für ihn machen.
Ich hoffe auch das das mit Kiel klappt. Obwohl meine große Schwester schon gesagt hat das wir dann eben nicht fahren sollen. Weil meine kleine Schwester Samstag auch keine Zeit hat und ihr schon mal bescheid gesagt hat das Sie sich nix vornehmen soll damit sie hier meiner Mutter ein bischen zur Hand gehen kann. Schliesslich sind wir ja deswegen hier eingezogen. Das wird hier noch richtig krachen die nächste Zeit. Da freu ich mich schon drauf. Wir haben ja sonst keine Probleme :P :roll:
Ich wünsche Euch allen ein schönes sonniges Wochenende
Liebe Grüße Brina

Udo
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Beitrag: #14425 Udo
08.06.2007, 14:01

Na, seht mal zu, das Ihr bei dem Wetter nach Kiel kommt :wink:

Auch ein schönes Wochenende wünscht
Udo
Abends geht die Sonne unter, morgens geht sie wieder auf !

mellie
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Beitrag: #14434 mellie
10.06.2007, 17:24

Hallo Brina.
Herzlich willkommen hier erstmal.
Deine story ist ja echt heftig.
Mein schwiegervater hat auch ch. Der jedoch ist Damit gut umgegangen. Dein Vater hat es nicht verpackt. Und wills nicht wahrhaben.
Am anfang dachten wir auch das mein schwiegervater nix mit sich machen lässt schon garnicht Kg oder logopädie Aber er macht es alles Wunderbar mit.
Bitte lasse negative Ereignisse nicht zu nah an dich dran. Mach deinem Vater klar das er sein leben noch verbessern kann. wenn er sich helfen lässt. Das er so stur ist schade. Denk bitte auch an dich selbst und deine kleine Familie.Wenn nichts mehr geht holt euch hilfe bevor ihr euch dei nerven Ganz zerstört. Nicht böse gemeint. Aber holt euch hilfe das ist wichtig.

Brina
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Beitrag: #14467 Brina
13.06.2007, 12:36

Hallo Melli!
Es ist momentan echt verzwickt. Erstmal ist mein Vater sowas von Stur und dann glaubt er ja auch durch die Psychose das er diese Krankheit gar nicht mehr hätte. Das beim Test ein Fehler passiert ist. Ich denke es ist eindeutig das er es nicht akzeptieren kann. Deswegen muss ja jetzt erstmal die Psychose behandelt werden. Momentan gehts auch ganz gut mit ihm. Und ich kann mich jetzt auch wieder ein bischen zurückziehen. Mal schauen was beim Termin nächste Woche raus kommt.
Herzliche Grüße Brina


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